Zehn Jahre Schulfrühstück denkbar:

Über acht Millionen Frühstücke an bedürftige Kinder ausgegeben

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV hat deshalb mit seiner BLLV-Kinderhilfsorganisation im Schuljahr 2011/12 das Frühstücksprojekt denkbar ins Leben gerufen, das inzwischen an 139 Schulen in Bayern angeboten wird. Schwerpunkt sind Grund-, Förder- und Mittelschulen. Seitdem konnten dank des Engagements von unterschiedlichen Organisationen, Spenderinnen und Spendern sowie des Staates über 8 Millionen Frühstücke an hungrige Kinder ausgegeben werden. Jetzt feiert das Frühstücksprojekt sein 10-jähriges Jubiläum mit einer Feier im Sonderpädagogischen Förderzentrum in Königsbrunn bei Augsburg.

22.06.2022

Ausgangspunkt der Initiative war eine Kooperation zwischen STERNSTUNDEN, der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, und dem BLLV. STERNSTUNDEN unterstützte seit 2009 mehrere Frühstücksprojekte für bedürftige Kinder in Bayern. Aber es fehlte ein kompetenter Partner, der sich sowohl um die pädagogische und fachliche Betreuung der Projekte als auch um die Verwaltung kümmert. Diese Aufgaben übernahm im Jahr 2011 die BLLV-Kinderhilfe. 2014 konnte das Projekt im Grund- und Förderschulbereich in einigen Städten und Landkreisen mit Mitteln aus dem Etat des Sozialministeriums erweitert werden. Das bayerische Kultusministerium stellt eine Lehrerstelle zur fachlichen Betreuung der Initiative zur Verfügung.

Im Regierungsbezirk Schwaben beteiligen sich zahlreiche Schulen am Schulfrühstück. Die BLLV-Bezirksvorsitzende Gertrud Nigg-Klee sieht auch in Regierungsbezirks Schwaben Handlungsbedarf. „Gerade in Schulen in sozialen Brennpunkten erleben wir zunehmende Ungleichheiten. Die Pandemie hat dies eindeutig verschärft. Das Schulfrühstück arbeitet dem wirkungsvoll entgegen. Solange es kein generelles Frühstücksangebot an Schulen gibt, brauchen wir Initiativen wie das Schulfrühstück denkbar“, so Nigg-Klee, die beim Festakt in Königsbrunn die Unterstützung des BLLV Schwaben versicherte. Sie hofft aber auch auf das verstärkte Engagement örtlicher Sponsoren, um die Angebote sichern und ausweiten zu können.

Viel geschafft und noch viel zu tun
Inzwischen engagieren sich verschiedene Stiftungen und gemeinnützige Vereine wie der Verein Kinder ohne Hunger, die Gewinnsparvereine der Sparda-Bank München und Ostbayern, der SZ-Adventskalender, die Stiftung Antenne Bayern hilft, Ein Herz für Kinder, der Rotary Club Nürnberg, der SZ-Adventskalender, die Hubert-Beck-Stiftung und die BayWa Stiftung.

Die Präsidentin des BLLV Simone Fleischmann sieht in dem Frühstücksprojekt eine gelungene Kooperation von Zivilgesellschaft, Ehrenamt, Stiftungen und Staat. Allerdings gebe es auch noch viel zu tun: „Wir müssen das Frühstücksprojekt ausweiten, denn die Armut und die soziale Ungleichheit nehmen weiter zu. Das Ziel muss sein mehr Schulen einzubeziehen und das Angebot in den Mittelschulen zu stärken. Gerade dort herrscht großer Bedarf. Allerdings wird das Schulfrühstück an den Mittelschulen bislang nicht vom Staat gefördert. Dabei wäre es hier besonders wichtig alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen und mit ihnen in der Schule Gemeinschaft zu erleben.“

Gemeinschaft, Integration und gesunde Ernährung
Das BLLV-Konzept arbeitet mit sogenannten Frühstückslotsinnen und -lotsen. Das sind engagierte Ehrenamtliche, häufig Schülereltern oder auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer. Ihre Aufgabe ist es, die Lebensmittel einzukaufen, morgens – teilweise mit den Kindern – das Frühstück zuzubereiten und ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Kinder zu haben. Besonderer Wert wird dabei auf gesunde Ernährung gelegt. „Ein großes Problem ist, dass viele der Eltern der betroffenen Kinder nicht auf gesunde Ernährung achten. Das wenige Geld wird dann oft in Snacks und Junkfood  gesteckt. Deshalb stehen Gemüse und Obst immer auf dem Speiseplan unseres Schulfrühstücks, zuckerhaltige Lebensmittel werden soweit es geht vermieden. Wir schulen unsere Frühstückslotsen in Ernährungsfragen und reden auch mit den Kindern über gesunde Ernährung“, so Projektleiterin und Fachlehrerin Sieglinde Stanzl.

In den letzten beiden Jahren mussten die Angebote wegen Lockdown, Distanzunterricht und Hygieneregeln deutlich reduziert werden, laufen aber jetzt an vielen Schulen wieder an. BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov geht davon aus, dass im Schuljahr 2022/23 wieder alle Schulen teilnehmen können: „Die Coronazeit war für die Schulen eine enorme Herausforderung. Das Schulfrühstück war in vielen Fällen nicht organisierbar, da das pädagogische Konzept Wert darauf legt, dass die Kinder vor dem Unterricht zusammen frühstücken um Gemeinschaft und Wertschätzung zu erleben. Das war unter Coronabedingungen in vielen Fällen einfach nicht möglich und wir freuen uns auch für die Kinder sehr, dass wir die Aktivitäten jetzt wieder deutlich ausweiten können.“

Mehr Infos zum Frühstück unter www.bllv.de/denkbar