Pressemitteilung 17.09.2021

Fassungslos angesichts mangelhafter Testvorbereitung zum Schulstart

„Nach 1 ½ Jahren Ausnahmezustand und Arbeiten am Limit habe ich eigentlich gedacht, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Aber die Einführung der Pooltests übertrifft für mich wirklich alles.“

Diese und ähnliche Aussagen von Lehrkräften, Schulleitungen und Verwaltungsangestellten sind aktuell an den Grund- und Förderschulen zu hören.

Aufgrund der angeordneten Pooltests fallen viele zusätzliche Aufgaben an. Dazu gehört unter anderem, die Einverständniserklärung der Eltern einzuholen, Daten in das ASV einzupflegen, Barcodes für die einzelnen Schülerinnen und Schüler einzulesen, Teströhrchen zu bekleben sowie Absprache mit Laboren und Transportunternehmen zu halten. Da stellt sich natürlich die Frage, von wem diese außerplanmäßige Arbeit, die zudem wertvolle Unterrichtszeit kostet, geleistet werden soll.

Hinzu kommt, dass dieses Paket wieder einmal extrem kurzfristig – nur einen Werktag vor Schulbeginn - mitgeteilt wurde. Angesichts sechs Wochen Sommerferien erscheint dies völlig unverständlich. Das Gesundheits- und Kultusministerium haben den passenden Zeitpunkt für eine praktikable Umsetzung des Verfahrens erneut verschlafen. Schulleitungen, Verwaltungsangestellte und Lehrkräfte sind verärgert über diese späte Bekanntgabe.

Jetzt eskalierte die Situation aufgrund mehrerer Schwierigkeiten, die bei der praktischen Durchführung an den Schulen aufkamen. Unter anderem wurden Testmaterialien unvollständig bzw. gar nicht geliefert oder technische Probleme ließen den Datenupload nicht zu. Für die Eltern wichtige Informationen wurden nicht in deren Muttersprache übersetzt, sodass der individuelle Beratungsbedarf stark stieg. Um den Eltern das – eventuell positive – Testergebnis ihres Kindes mitzuteilen, wären außerdem deren E-Mail-Adressen notwendig, doch auch diese liegen noch nicht vollständig vor. Vor diesen vielfältigen Herausforderungen stehen die Schulverwaltungen momentan – und das neben den üblichen umfangreichen Organisationsaufgaben zum Schulstart.

Der Termindruck und die technischen Unzulänglichkeiten belasten über Gebühr. Die pädagogische Arbeit leidet massiv, da durch die überstürzte und schlecht organisierte Einführung der Pooltests die Arbeitszeit von Lehrkräften, Verwaltungsangestellten und Schulleitungen gebunden wird. Es darf nicht sein, dass Kinder unter der fehlenden pädagogischen Zuwendung leiden und Schulleitungen, Verwaltungsangestellte und Lehrkräfte schon wenige Tage nach dem Start ins neue Schuljahr mit ihren Kräften am Ende sind. Der BLLV Schwaben fordert deshalb, dass für die Organisation der aktuellen gesundheitspolitischen Maßnahmen zusätzliches Personal angestellt wird und somit für Entlastung sorgt. Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen uns endlich wieder auf das konzentrieren, wofür wir diesen Beruf eigentlich gewählt haben: auf die Bildung und die Erziehung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Und zwar genau in der Zeit, in der wir uns laut Ministerium doch gerade jetzt verstärkt darum kümmern sollten, Schulanfänger und Kinder, die neu in der Klasse sind einzugewöhnen, verunsicherten Kindern wieder Halt zu geben, sozial-emotionale Probleme aufzufangen und gemeinsame Lernfreude zu wecken.