Wir sind dran - BLLV-Engagement konkret

Frag' doch mal den BLLV


Auf unserer ersten Online-Veranstaltung „Frag doch mal den BLLV“ stellten unseren Experten für Schulpolitik und Bildungswissenschaft Katharina Wezel und Frank Hortig die Arbeit des BLLV zu zentralen Themen wie Individuelle Förderung und Sozialisation, Multiprofessionelle Teams, Lehrermangel, Lehrerbildung sowie Digitalisierung vor. Im regen Austausch mit den Teilnehmern wurden Fragen geklärt, Probleme bei der Verwirklichung eines zeitgemäßen und kindgerechten Unterrichts unter den gegebenen Voraussetzungen sowohl in Grund- und Mittelschulen als auch an den Förderzentren diskutiert und weitere Brennpunktfragen wie die ständig steigende Arbeitsbelastung bei fehlender Wertschätzung, die Situation der Fachlehrer und der Ganztag besprochen. Ein Dank an alle, die dabei waren – wir beantworten auch weiterhin gerne Ihre Fragen und setzen uns für Sie ein!

Großen Anklang fand die zweite Veranstaltung "Frag doch mal den BLLV". Diesmal stellten die Expert:innen der Schulleitungen, Verwaltungsangestellten, Förder- und Fachlehrer sich den Fragen der teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen. In kleineren Fachrunden diskutierten dabei die Schulleitungen über die aktuellen Belastungen wegen der Maßnahmen gegen die Pandemie. Die Verwaltungsangestellten, die sich zahlreich eingefunden hatten, verwiesen darauf, dass sie gerne zur Entlastung bereit wären, wenn die Möglichkeit erweitert würde, sich nachzuqualifizieren und besser eingruppiert zu werden. Die Gruppe der Förderlehrkräfte betonte, dass nicht außer Acht gelassen werden darf, das diese Kolleginnen und Kollegen die Spezialisten für die Förderungen sind und gerade jetzt dort auch eingesetzt werden müssen. Einen kritischen Blick warf die Gruppe der Fachlehrerkräfte auf die Ausbildung und resümierte, dass diese geändert werden müsste, um die Qualität dieser Fachgruppe nicht zu verlieren.

Kultusminister im Gespräch mit der Fachgruppe Verwaltungsangestellte

Am 28.04.2021 hatten Verwaltungsangestellte aus den verschiedenen Schularten die Möglichkeit mit dem Kultusminister Prof. Michael Piazolo ins Gespräch zu kommen und verschiedene Themen (siehe beiliegende PDF)  anzusprechen. Für die Grund- und Mittelschulen waren Fr. Monika Engelhardt (Vorsitzende der Landesfachgruppe VAe im BLLV und Kandidatin für den Hauptpersonalrat), sowie Fr. Milena Härtel (Mitglied der Bezirksfachgruppe VAe Schwaben BLLV und Kandidatin für den Bezirkspersonalrat) dabei. 

Wir konnten unsere konstruktiven Vorschläge und Ideen vorbringen und werden zeitnah alle notwendigen Informationen einbringen und freuen uns auf einen weiteren Gesprächstermin mit Hr. Piazolo, der uns in Aussicht gestellt wurde.

Elfriede Riedel, Milena Härtel Birgit und Birgit Paulin

Vielschichtige Themenfelder und Aufgabengebiete

 
Der Kreisverband Augsburg-Stadt ging mit seiner Veranstaltung zur anstehenden Personalratswahl einen neuen Weg und lud zu einem digitalen Austausch- und Informationsabend mit den Experten Gerd Nitschke und Markus Rehle. Nicht nur alle für die Wahl Kandidierenden, sondern auch alle anderen BLLV-Mitglieder und Nichtmitglieder wurden herzlich eingeladen.

Die Vorsitzende Gabi Schneid und Veith Rühling führten die 46 Teilnehmer durch ein informatives und kurzweiliges Programm. Uwe Rachuth trug zusammen mit Irene Bleisteiner und Kathi Schütz zur musikalischen Gestaltung unseres virtuellen Treffens bei. Selbstverständlich wurden dabei mit viel technischem Aufwand die Coronaregeln strikt eingehalten. Und die bereits im Vorfeld an die Kandidat:innen und Referenten versandten südtiroler Brotzeit-Pakete rundeten die Veranstaltung auch kulinarisch ab.

Gerd Nitschke, 1. Vizepräsident des BLLV und Hauptpersonalratsvorsitzender gab einen informativen Einblick in die Arbeit des HPR. Er berichtete von den vielschichtigen Themenfeldern und Aufgabengebieten, mit denen er in seinem Amt zu tun hat, z.B.:

  • Lehrermangel mit allen Facetten
  • Arbeitszeitkonto an den Grundschulen
  • Besoldungsstufen
  • Beförderungsmöglichkeiten
  • Leistungsprämien
  • Schutz der Schulfamilie in Coronazeiten

…um nur ein paar davon zu nennen.

Er schilderte an aktuellen Beispielfällen die produktive und positive Zusammenarbeit des Verbandes über den HPR mit dem Kultusministerium, räumte aber auch Wirkungsgrenzen ein. So werden mitunter gute Vorschläge, Absprachen und Konzepte letztlich durch Nicht-Zustimmung auf Staatsregierungsebene wieder gekippt.

Gerade deshalb ist es so wichtig, einen starken Verband zu haben, der jederzeit für seine Lehrerinnen und Lehrer kämpft und ihre Interessen vertritt.

Als zweiter Referent ermutigteMarkus Rehle, Leiter des Referats Dienstrecht und Besoldung in Schwaben, in seiner Rede alle Mitglieder, für ihre beruflichen Rechte und die der Kollegen in ihrer Funktion als Personalratsmitglied und/ oder als BLLV-ler einzustehen. Er forderte auf, zuzuhören, Mut zu machen und Unterstützung zu geben oder vom Referat Dienstrecht und Besoldung Information und Rat einzuholen. Denn hierin liegt eine Hauptaufgabe des BLLV: alle an der Schulfamilie Beteiligten in einer guten, fairen, kollegialen und gerechten Zusammenarbeit zu unterstützen.

Aber nicht nur den aktiven Lehrer:innen steht der BLLV mit Rat und Tat zur Seite. Bei Fragen zum Ruhestand oder zur Hinterbliebenenversorgung wird mit Expertise beraten und Auskunft gegeben. Auch zum Thema Elternzeit informiert der Verband erfolgreich mit dem sehr gut angenommenen Format „Hallo Baby“.

Beide Experten konnten die große Bandbreite und Tragweite der Verbandsarbeit, die durch den BLLV geleistet wird, sehr gut veranschaulichen und nahebringen.

Zum Abschluss dieser Veranstaltung wurden die Kandidat:innen und der diesjährige Wahlflyer in einer digitalen Präsentation bekannt gegeben und vorgestellt. (Wir danken auf diesem Weg noch einmal allen Kandidat:innen für ihre Bereitschaft.)

Bitte unterstützen auch Sie unsere Arbeit auf allen drei Ebenen (Örtlicher-, Bezirks- und Hauptpersonalrat) durch die Teilnahme an der Personalratswahl und geben Sie den BLLV-Kandidat:innen Ihre Stimme!

BLLV KV Aichach-Friedberg mit MdL Tomaschko im Gespräch

BLLV Kreisverband Aichach-Friedberg mit MdL Peter Tomaschko (CSU) im Gespräch – Selbsttests,  Digitalisierung und Lehrermangel

Die Selbsttests an den Schulen seien das Richtige und gut angelaufen, so Peter Tomaschko. Wie kann sich ein Lehrerverband so dagegen sträuben? BLLV-Kreisvorsitzende Martina Ritzel kontert: „Wir sind für die Selbsttest – aber nicht an den Schulen, nicht unter diesen Rahmenbedingungen!“ Der Infektionsschutz aller Beteiligten ist dabei nur bedingt gewährleistet ist. Konkrete Dienstanweisungen wurden am Freitagnachmittag kommuniziert, die logistischen Aufgaben im Landkreis komplett an die Schulen vor Ort delegiert. Der Personaleinsatz für die zu isolierenden SchülerInnen ungeklärt.  Finanzieller und/oder strukturierter Unterstützung für die Testungen erteilte Tomaschko eine Absage, jedoch spräche nichts dagegen medizinisch geschulte Eltern auf freiwilliger Basis einzubinden.
Bei den Selbsttest zeigte Tomaschko wenig Verständnis und Perspektiven auf im Gegensatz zur Digitalisierung. BLLV-KV-Vorsitzende Ritzler: „Es kann nicht sein, dass die Schulleitung entscheiden muss, wer ein Dienstgerät bekommt und wer nicht, weil das Budget der Kommune nicht für alle Dienstgeräte reicht.“ Tomaschko verwies auf den Digitalpakt, den die Gemeinden zusätzlich nutzen sollen. Leider fehlen nicht nur Geräte, sondern auch Personen im Landkreis, die dafür den Support machen, so Ritzel.

BLLV Bezirksvorsitzende Getrud Nigg-Klee verwies zudem darauf, dass im Schuljahr 2021/22 der Mangel an professionellen Lehrkräften insbesondere in den Grund-, Mittel- und Förderschulen groß sein wird. Eine von der Politik geplante Imagekampagne für diese Schularten, die ausschließlich auf Idealismus setzt, wird junge Leute nicht überzeugen. Attraktivität macht sich in dieser Generation an der Work-Life-Balance und dem Gehalt fest. Der BLLV hat seine Vorschläge dazu schon lange vorgelegt.

Bildungspolitik nach Corona – Stillstand oder Aufbruch?

Online-Veranstaltung des BLLV Oberallgäu mit dem Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen), MDL Matthias Fischbach (FDP) und der Bezirksvorsitzenden des BLLV Schwaben Gertrud Nigg-Klee.

Unter Moderation des Kreisverbandsvorsitzenden Reinhard Gogl wurde die bildungspolitische Situation in der Schule nach einem Jahr mit der Corona-Pandemie zu den Themenschwerpunkten Bildungsgerechtigkeit, Digitalisierung und Personalnotstand beleuchtet, Schwachstellen aufgezeigt und mögliche Neuansätze diskutiert. Hierzu wurden Kernfragen formuliert, zu denen die einzelnen Teilnehmer Stellung nehmen konnten.

„Ein Jahr Schule mit Corona: Kommt die Bildung gestärkt oder geschwächt aus der Krise?“

Gertrud Nigg-Klee bewertet den digitalen Schub, der durch die Krise an den Schulen in unterschiedlichsten Ausprägungen ausgelöst wurde als positives Signal. Das zunehmende Auseinandergehen der Bildungsschere sieht sie jedoch als gravierendste Folge der Pandemie und betont die Dringlichkeit vielfältige Hilfskonzepte auf den Weg zu bringen. Hinzu komme die starke Mehrbelastung von Lehrkräften und Schulleitungen durch immer wieder sehr kurzfristig mitgeteilte neue Vorgaben und Anforderungen, welche ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatzbereitschaft aller erfordern. Ebenfalls verschärft deutlich geworden sei der akute Lehrermangel, dem es dringend durch ein neues Lehrerbildungsmodell entgegenzuwirken gelte, wie es der BLLV vorgelegt hat.

Matthias Fischbach ergänzt, dass sich an den grundsätzlichen Mechanismen auch in der Pandemie nichts Wesentliches verändert habe. Entscheidungen des Ministeriums werden zu kurzfristig mitgeteilt, Versprechen nicht eingehalten, und Schulen alleine gelassen, was dazu führe, dass die Lösungen vor Ort sehr unterschiedlich ausfielen.

Ginge es nach Thomas Gehring, würde man erkennen und anerkennen, wie wichtig der Sozialraum Schule (besonders für schwächere Kinder) ist und die vorhandenen Gelder dementsprechend einsetzen, um mit ausreichend Material und Personal verlorenes Lernen bestmöglich nachzuholen.

„Wie können die notwendigen Rahmenbedingungen, Personal- und Zeitressourcen geschaffen werden, damit das pädagogische Potential bereits vorhandener Konzepte zu mehr Bildungsgerechtigkeit wie Individuelle Förderung, Inklusion und Integration auch zum Tragen kommt?“

Hierzu beschreibt Katharina Wezel, der Leiterin des Referats Schul- und Bildungspolitik die Überforderung der Lehrkräfte, welche mit den steigenden Aufgaben, die eine individuelle Lernbegleitung der Kinder mit sich bringt, alleine gelassen werden. Auch weist sie auf die unbefriedigende Situation im Hinblick auf das Festhalten an einem starren Leistungsbegriff im traditionellen System von Probearbeiten und Übertritts-durchschnitten hin.

Matthias Fischbach spricht sich klar für Leistungsanforderungen aus, sieht jedoch positive Aspekte einer Talentorientierung und unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Keinesfalls dürften pädagogische Modelle wie die „Flexible Grundschule“ zu Sparmodellen werden. Auch schlägt er vor, die Ausstattung der einzelnen Schulen (sowohl finanziell als auch personell) an deren tatsächlichem Bedarf auszurichten. Personelle Engpässe könne man durch Leeren der Wartelisten der weiterführenden Schularten ausgleichen.

Thomas Gehring spricht sich für die Etablierung vielfältiger Möglichkeiten der Leistungserbringung und -rückmeldung aus, wodurch man individuellen Lernformen besser entsprechen könne. Zusätzliches Personal im Sinne multiprofessioneller Teams würden dem Anspruch auf Integration und Inklusion zugutekommen. Mit der Abschaffung des Übertrittsverfahrens könnten individuelle Leistungserfolge konsequenter in den Mittelpunkt gestellt werden.

„Welche Schritte und Maßnahmen halten Sie in Bezug auf das Thema Digitalisierung für notwendig und realisierbar?“

Doris Sippel (Medienpädagogische Beraterin digitale Bildung, Leiterin des Medienzentrums Oberallgäu sowie Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Medien im BLLV Schwaben) erklärte, dass es zwar in Sachen Digitalisierung einen Riesenschub an den Schulen gäbe, der Erfolg jedoch hauptsächlich vom Engagement Einzelner abhänge und man insgesamt in der Umsetzung den gesteckten Zielen hinterherhinke: der Digitalpakt sei nicht so abrufbar, wie gewünscht, kommunale Strukturen verhindern schnelle Lösungen, Lehrerausbildung und Fortbildungen sind ungenügend und praktikable Supportlösungen fehlen.

Thomas Gehring plädiert dafür, durch stärkere Vernetzung auf kommunaler Ebene sowie Klärung der Zuständigkeiten zwischen Land und Kommunen klare und einheitliche Strukturen zu schaffen. Es müssten einheitliche Standards für alle Bereiche gelten, die Schulen und Lehrkräfte entlasten. Dazu sind sowohl funktionierende Tools, als auch ausreichend Support zur Verfügung zu stellen. Zudem ist es notwendig die Digitalisierung fest in der Lehrerbildung zu verankern.

Matthias Fischbach ergänzt, dass unsere Kinder in der Schule bestmöglich auf die digitale Welt vorbereitet werden müssten. Dazu sei es Aufgabe des Ministeriums, den rechtlichen Rahmen für digitale Unterrichtsformen zu schaffen, eine Lehrmittelfreiheit für digitale Medien zu garantieren sowie die Lehrkräfte durch Bereitstellung zentraler Tools und Plattformen zu unterstützen.

„Worauf führen Sie den Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen zurück? Wie kann man diese Lehrämter attraktiver gestalten?“

Matthias Fischbach schlägt vor, Schulen grundsätzlich mit mehr Freiräumen und guter Finanzierung, angepasst an die Gegebenheiten vor Ort auszustatten sowie mehr Angestelltenverträge zu ermöglichen.

Thomas Gehring hält es für notwendig, durch eine Veränderung der Lehrerausbildung mehr Flexibilität und Planbarkeit für Studienanfänger und Absolventen zu schaffen, die Möglichkeiten für Quereinsteiger zu verbessern und die Wertigkeit des Berufs durch gleiche Bezüge für alle Lehrämter zu steigern.

Gertrud Nigg-Klee weist auf die Notwendigkeit der Nachqualifizierung von Quereinsteigern hin und betont ebenfalls die Forderung des BLLV nach gleicher Bezahlung, die Entlastung der Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams sowie die Neuorganisation der Studiengänge.

„Wenn ich Bayerischer Kultusminister wäre, dann...“

„... würde ich alles, was schulartübergreifend ansteht, auch mit den jeweiligen Schularten besprechen, mehr Kommunikation und Informationen von unten nach oben ermöglichen und letztlich darangehen, das ganze System zu verändern.“ (T. Gehring)

„... würde ich als erstes eine Bestandsanalyse machen, dann mit den Betroffenen vor Ort sprechen und Visionen angehen.“ (M. Fischbach)

Text: Katharina Wezel